Mozarts Laptop
Shownotes
Ein Instrument so leise, dass sich das Publikum erst einmal daran gewöhnen muss. Und gleichzeitig eines, auf dem Mozart gearbeitet, komponiert und sogar Tintenflecken hinterlassen hat. Das Clavichord war für Mozart kein Instrument für den großen Auftritt, sondern eher das musikalische Arbeitsgerät für zuhause und unterwegs. Klein, transportabel und im 18. Jahrhundert weit verbreitet. Heute ist es dagegen fast vergessen.
Im Gespräch mit Clavichord-Spezialist Alexander Gergeli geht es darum, warum das Instrument ein bisschen wie Mozarts Laptop war, was seinen besonderen Klang ausmacht, wie Mozarts eigenes Clavichord wieder stärker ins musikalische Leben zurückkam und warum Gergelis ältestes Instrument den Namen Ursula trägt.
In dieser Folge hören Sie: Alexander Gergelyfi
Moderation: Larissa Schütz
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Transkript anzeigen
00:00:01: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:00:12: Wir sind Mozart.
00:00:13: Ich bin Larissa Schütz und in dieser Folge wird es leise!
00:00:17: Ja, wir lernen heute ein Originalinstrument von Mozart kennen das im Gegensatz zu seinen Geigen eher ein verstecktes Juwelin der internationalen Stiftung Mozartium war bis Alexander Gagelifi kam.
00:00:29: Der Musiker liebt historische Tasteninstrumente und ist ein gefragter Experte, wenn es um Klavikorde geht.
00:00:37: Bei der Mozartwoche-Zweißen-Siebenundzwanzig wird Alexander Gergelyfi ein ganz besonderes Konzert mit seinem und mit Mozartsklavikord geben!
00:00:45: Ich habe ihn in der Ton- und Filmsammlung der internationalen Stiftung Mozartium in Salzburg getroffen.
00:00:51: Und exklusiv für uns erzählt er in dieser Folge, was ihn so an diesen Instrumenten fasziniert?
00:00:57: Was seinen Klavikort mit einem Laptop gemeinsam hat –
00:01:00: und
00:01:00: warum sein Instrument den Namen Ursula trägt!
00:01:14: Er hatte ja seit seines Lebens zwei Klavikkorde eines eben als Kind dieses Reiseklavikord von Stein gebaut dass ich jetzt nichts Falsches sage, ja in Augsburg daher auch die Verbindung zu Leopold Mozart.
00:01:28: Das Instrument befindet sich heute in Budapest und dann hat er eben im erwachsenen Alter in Wien sich das große Klavikort angeschafft um darauf wirklich komponieren zu können.
00:01:39: und diese Idee seiner beiden Instrumente habe ich aufgegriffen und wert seinen Werdegang aber auch sein Salzburger Umfeld dann noch, wenn er in Wien kennengelernt hat und auch das Motiv der Reise gegenüberstellt.
00:01:54: Reis ist ja wichtig fürs Clavichord weil jetzt für alle die es eben nicht wissen... Das ist kein großes Instrument!
00:02:00: Du bist heute zu uns in die Stiftung Mozartium gekommen mit einem Koffer.
00:02:05: da geht das rein und ich habe mal irgendwo gelesen Da hat irgendjemand das mit einem Laptop verglichen.
00:02:12: Also es wäre ein Arbeitsgerät, dass man wie einen Laptopp mitnimmt?
00:02:15: Ist der Vergleich richtig?
00:02:16: Kann man das so sagen?
00:02:17: Ja und ich weiß ganz genau auf welche Zeitungskritik da angespielt wird.
00:02:23: Ich glaube, dass der Kollege sogar noch etwas Schlimmeres formuliert oder gemeint ist Wie Laptops.
00:02:27: Es wird einfach weggeworfen wenn's nicht mehr aktuell ist Und das stimmt auch tatsächlich.
00:02:31: Man hat früher diese Klavikorde ganz schnell und einfach zusammen geschustert im wahrsten Sinne des Wortes damit die Organisten in der Ausbildung ein Instrument zum Üben hatten.
00:02:41: Und dann hat man das einfach weitergegeben und wenn es nicht mehr gut war oder spielbar, hat man's einfach weggeschmissen.
00:02:47: Die wirklich guten Instrumente oder auch die, die sehr schön dekoriert waren, die haben natürlich überlebt.
00:02:53: So eins habe ich glücklicherweise – und wenn ein Instrament einen prominenten Vorbesitzer hat, hilft das auch sehr!
00:03:01: dass das hier im Mozart-Wohnhaus steht.
00:03:03: Das ist Gott sei Dank gerettet worden, weil es von Mozart ist und weil er darauf gearbeitet hat.
00:03:09: Und weil auch das Instrument war, wo erstmals die Zauberflöte erklungen oder Melodien aus der Zauberglötterklungen sind?
00:03:15: So ist das!
00:03:16: Er hat das in seiner Wiener Zeit eingekauft und ich kann mir wirklich gut vorstellen warum.
00:03:22: Es ist ein kandioses Klavikort.
00:03:25: Es ist ganz toll wie man darauf Farben erzeugen kann wie vielseitig das Instrument ist und wieviel man auch orchestralen Klang zurückbekommt als Spieler.
00:03:37: Man sieht noch die Tintenflecken von seiner Arbeit auf dem Deckel, also er hat wirklich einfach das Notenblatt drauf ausgebreitet und seine Ideen niedergeschrieben.
00:03:45: Es war wirklich sein Komponierinstrument!
00:03:49: Wenn es aber so einen tollen Klhang hat – wir können mal kurz reinhören denn du hast ja heute auch schon gespielt – so klingt ein Clavichord Ganz besonderer Klang.
00:04:24: und Alexander, du hast aber gesagt das ist ein sehr erschwingliches Instrument gewesen.
00:04:28: Also wie ist es zu bauen?
00:04:31: oder was ist daran so einfach dass es nicht so teuer ist für einen Chamberlowe zum Beispiel zu der Zeit?
00:04:36: Man muss sagen, der Corpus ist meistens recht eckig.
00:04:39: Das ist schon viel einfacher als bei allen anderen Instrumenten die eine Flügelform haben also einen Flügeln, Chamberlow oder auch Spinette, die manchmal polygonal sind also viel ecklig.
00:04:49: Das ist von der Konstruktion her viel aufwendiger Und die Mechanik ist viel einfacher.
00:04:53: Man hat am Ende des Tastenhebels nur so eine Tangente, also das kommt aus dem lateinischen Tangere heißt einfach nur berühren.
00:05:00: Ist meistens Messing-Blech oder Eisenblech und das berührt die Seite und versetzt die Entschwingung.
00:05:06: Das ist die ganze Mechanik, dass es das ganze Geheimnis in sich.
00:05:09: perfekt, super einfach!
00:05:11: Bei einem Chamberlord hat man am Ende einen Springer stehen der hat ne bewegliche Zunge... Also da ist einfach viel Auch dabei, was nicht funktionieren kann.
00:05:20: Das heißt die Wartung ist auch sehr viel teurer und aufwendiger.
00:05:24: Und dann wenn man sich Klaviermechaniken vorstellt mit beweglichen Hemmern und Mit dem Dämpfungssystem das wird immer aufwändiger und eben teurer.
00:05:34: Deswegen ist das Klavikort ein schönes
00:05:37: Heim
00:05:38: Gebrauch.
00:05:39: Serviet-Faustang-Familieninstrument.
00:05:41: Aber du bringest es ja nicht nur bei der Mozartwoche sondern auch bei den Salzburger Festspielern sehr prominent mit Georg Niegel auf die Bühne, also auf jeden Fall vor mehr Leuten.
00:05:50: und was wir gerade als Aufnahme gehört haben.
00:05:54: Da bin ich vorher ganz nahe rangegangen an das Instrument weil es unglaublich leise und intim ist.
00:06:00: Also wie schaffst du das da so?
00:06:02: Ich glaube so achtzig Leute sind da immer mit dabei zum Beispiel bei den Nachtmusiken.
00:06:07: Das hören!
00:06:09: Man muss sagen der ideale Rahmen für dieses Instrument ist ein Wohnzimmer oder einen Salon Und die Sechzig bis Achtzig, manchmal auch hundert Personen, die man dann in so einen Raum bekommt.
00:06:22: Das ist die ideale Größe würde ich sagen.
00:06:26: Man merkt am Anfang immer diesen Moment des Schreckens Wenn das Publikum merkt, wie leise es wirklich ist.
00:06:32: Aber das Tolle ist unser Gehör macht wahnsinnig viel mit.
00:06:37: Ich beobachte das im Massachusetts-Mitrücken zum Publikums.
00:06:40: Man spürt den Moment.
00:06:41: Das dauert zu vierzig, fünfzig Sekunden wenn man spielt und dann hat sich das Publikum darauf eingehört.
00:06:47: Also wirklich erstaunlich was unsere Ohren
00:06:50: können.
00:07:17: Ist das so eine ... Mir fällt jetzt kein besserer Begriff dafür ein.
00:07:21: aber so eine Originalsituation?
00:07:23: Spielst.
00:07:24: Und Georg Niegel singt, ist das was Mozart auch gemacht hat?
00:07:27: Also hatte der da auch konzertiert drauf oder hatte er das wirklich nur zum Arbeiten verwendet des Instruments?
00:07:32: In Mozarts Fall können wir schon sagen dass es sein Arbeitsinstrument war.
00:07:36: Das stammt zu Hause.
00:07:37: Er hat's auch mitgenommen.
00:07:38: Es hat ja Beine die man abnehmen kann.
00:07:40: Das ist original.
00:07:41: also das war wirklich so gedacht aber das war kein Konzertierinstrument.
00:07:47: Er hatte ja auch einen Flügel Und der ist gedacht für repräsentative Musik, also sprich Sonatenkonzerte.
00:07:54: Also alles was er dann vor vielen Leuten vortragen wollte.
00:07:59: Wir verwenden das glaube ich Chord ja eher in einer Art... Ja ich habe den Salon schon erwähnt aber vielleicht kann man sich unter dem Begriff Schubertiade etwas vorstellen?
00:08:09: Man spielt, singt und liest für sich selbst und es hören halt zufällig noch Leute zu!
00:08:18: Also ganz intime Atmosphäre, die du auch ruhig kriegst und dann wirst du in dem Fall ja auch was erzählen.
00:08:24: Und jetzt haben wir gerade schon drüber gesprochen um was du spielen willst.
00:08:28: also was sind so Voraussetzungen für Musik, die Du auf dem Clavichord jetzt in einem größeren Rahmen als Du das Instrument alleine vorspielen möchtest?
00:08:39: Du machst ja auch Aufnahmen und so.
00:08:40: Und Konzerte gibt es da irgendwelche besonderen Kriterien, die du verwendest um da Musik für dieses Konzert auszusuchen?
00:08:48: Also vielleicht auch ein bisschen auf die Lautstärke eingehen.
00:08:52: Zum einen muss man sagen... Man hat immer einen vordefinierten Tonumfang und auch manchmal ein Bindungssystem.
00:08:59: das heißt ich kann auf meinem kleinen Glavikort nicht alle Tonverbindungen spielen und manche Stücke brauchen das.
00:09:05: Manche wiederum nicht!
00:09:06: Das heißt da gibt's schon mal was was ausscheidet.
00:09:09: Ich finde immer ganz große Musik in dem Sinn, also eben Konzerte oder Riesenzonaten eignen sich nicht so gut.
00:09:16: Weil die auf dem Instrument weniger Durchschlagskraft haben wie auf einem Hammerklavier oder dann auf einem Chamberlohe.
00:09:26: nachdem oder auf einer Orgel kann auch sein.
00:09:29: Und ich muss sagen, ich suche Programme dann immer gern auch regional aus.
00:09:33: In diesem Fall vom Mozart ist es ja super einfach weil's ... seinen Salzburger und Wiener Kreis gibt.
00:09:38: Und natürlich das Thema der Reise, aber nur um ein Beispiel zu nennen ich durfte am Klavierfestival in Ruhe spielen also im Ruhrgebiet und dann habe ich für das Klavikort sogar eine neue Komposition in Auftrag gegeben und das war eine Beethoven Bearbeitung.
00:09:55: Also auch das funktioniert!
00:09:57: Und stimmt es eigentlich, dass du mit dafür verantwortlich bist, das Mozartsklavikort jetzt auch wieder viel gespielt wird?
00:10:05: Weil ich habe mal gehört, dass Du Dich bei Linus Klub nach höchstpersönlich beschwert hast.
00:10:10: Erstens wo es ist weil das glaube ich Deinen Söhnen zeigen wolltest und zweitens warum das so lange restauriert wird.
00:10:16: Also als ich den Anfang der Frage gehört hab mich schon für das Lob bedanken und dann kam das Wort Beschwerde.
00:10:23: Nein also tatsächlich war's im allerersten Ja, der Nachtmusiken.
00:10:28: Das ist jetzt vier Jahre her.
00:10:32: Da habe ich lauter eigene Instrumente mitgebracht.
00:10:35: Ich hatte vier, glaube ich, Horde mit eben für jeden Abend, für jeden Stil, eigene Instumente und dann haben wir die erste Serie gespielt also die ersten drei Abende Und dann war meine Familie zu Besuch.
00:10:47: Wir hatten kurz Zeit, wir waren in der Getreidegasse Und normalerweise ist es so alle diese Salzburg kennen im Sommer vor dem Geburtshaus keine Chance irgendwie reinzukommen.
00:10:57: Da stehen die Leute schlangen, aber es war niemand... Keine Menschen.
00:11:01: Seele war da!
00:11:02: Niemand.
00:11:03: und dann habe ich meine beiden älteren geschnappt und bin hochgegangen.
00:11:07: Es stand niemand an.
00:11:08: Es war fast schon gruselig.
00:11:11: Und hinter der Kasse ein gut gekleideter junger Mann, den ich gefragt hab welche Originalinstrumente man sehen kann.
00:11:18: Er meinte ausgestellt sei die Kindervioline und noch einen Flügel Aber eine spätere Schenkung war also nicht Mozartsflügel.
00:11:26: Und dann habe ich nachgefragt, ob man das Clavichord auch sehen kann oder gemeint nein es ist gerade nicht da.
00:11:31: Dann hab' ich gefragt wo's denn grad is?
00:11:34: Da meinte er ja im Depot.
00:11:36: Dann habe ich gefragt was es dort so macht.
00:11:39: und dann hat er gefragt warum mich denn so ein Interesse grade an diesem Claviquard haben.
00:11:44: und dann habe ihm offenbart dass das mein allerliebstes Tastenninstrument mit dem ich auch gerade bei den Salzburger Festspielen gastiere.
00:11:52: Darauf zückte er seine Katerin, meinte er sei der Leiter der Mozartmuseen und musste an dem Tag hinter der Caster stehen weil er drei Krankmeldungen hatte.
00:12:03: Also es war wirklich Zufall!
00:12:04: Und er hat mich dann am nächsten Tag eingeladen ins Depot das Instrument zu spielen... ...und ich war so beeindruckt dass ich daraufhin Georg Nigel kontaktiert habe, hab gesagt da muss man nochmal gemeinsam hin.
00:12:18: und dann sind wir nach Salzburg gefahren und haben Linus Glumpner Ein paar Lieder vorgespielt und er hat gesagt, fühlt euch frei.
00:12:26: Macht gern mit dem Instrument was ihr machen möchtet.
00:12:30: Er unterstützt das!
00:12:31: Und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.
00:12:33: Das ist eine Ehre und eine große Freude des Instruments spielen und im Konzert verwenden zu dürfen.
00:12:41: Es sind viele Musiker wie dich die so fasziniert von diesem Instrument sind und damit auch wirklich rausgehen und Konzerte machen?
00:12:53: doch eine Handvoll bekannter Tastenspielerinnen und Spieler, die immer wieder auch Klavikort spielen.
00:12:59: Aber ich will nicht sagen es ist ein Alleinstellungsmerkmal.
00:13:04: aber so viel und gerne... muss ich ganz ehrlich sein?
00:13:10: Ich weiß nicht!
00:13:10: Also ich reize das schon aus.
00:13:12: Ich mag's auch in Kombination mit anderen Instrumenten also dass man dann mal Chamberlain-Klavikort oder auch Hammerklavier- und Klavicord oder auch verschiedene Klavicorde gegenüberstellt.
00:13:22: Ich mag diesen Zugang sehr.
00:13:25: Die Gegenüberstellung ist interessant, was sind denn jetzt so für uns Podcast-Zuhörerinnen und Zuhörers so Merkmale?
00:13:33: Wir haben ja vorhin schon reingehört in die Aufnahme.
00:13:37: du hast das Mozart-Glavikort gespielt und dein eigenes über das wir auch noch gleich sprechen wollen.
00:13:42: aber was sind so Unterschiede, die man am schnellsten merkt wenn man zum Beispiel in ein Konzert in der Mozartwoche gehen wird und dann zuhört?
00:13:51: Das Mozart- Glavikot hat für mich einen sehr silbrigen Klang.
00:13:59: Und wie ich schon am Beginn des Gesprächs angemerkt habe, ich finde es ist sehr flexibel und für mich sehr bunt.
00:14:08: Das reagiert wahnsinnig gut auf das was man zeigen möchte.
00:14:11: Es gibt diesen schönen Brief von Leopold Mozart wo er dann beschreibt dass das ideale Klavikord im Bass nach Posaunen klingt und im Diskant, ich glaube er meinte Flöten waren's Flöthen oder Violinen.
00:14:21: Also hier ist wirklich der Unterschied in den Registern gewollt und bei dem hört man es extrem.
00:14:35: Die Idee seines Vaters super umgesetzt, muss man sagen.
00:14:40: Im Gegensatz zu meinem kleinen Instrument, man hört auch den Unterschied natürlich aber wir haben nicht fünf sondern nur vier Oktafen und das ist ein sehr kleines Instrument.
00:14:50: Das müssen monastischen Hintergrund haben also das hat irgendeine Mönche seiner Zelle gespielt für die eigene Kontemplation.
00:14:59: Das Mozart-Instrument ist wirklich ein galantes Komponierinstrument.
00:15:05: Das sind so die größten Unterschiede, würde ich sagen.
00:15:07: Wie viele hast du selbst?
00:15:11: Vier Klavikorde und ein Fünftes ist in der Schwebe – aber da kann ich noch nichts dazu sagen!
00:15:22: Ich habe auch noch andere historische Tastinstrumente also eine Reihe Tafelklaviere und Chamberlid, die ich alle spiele.
00:15:29: Also ich würde mich nie als Sammler bezeichnen Denn ich verwende alle Instrumente für Konzerteaufnahmen und muss sagen, ich lerne wahnsinnig viel davon.
00:15:41: Aber gibt es da überhaupt noch so viele?
00:15:43: Weil wir haben Eingangs über diese eine Kritik gesprochen, wo das sogar als Backwerfgegenstand deklariert wurde, dass die überhaupt, ich sag jetzt mal, überlebt haben... Also gab's da mehr so besondere wie zum Beispiel das Mozartsched, dass du dann immer wieder welche finden kannst auch?
00:16:01: Es tauchen immer wieder Instrumente auf in Aktionen oder manchmal wird was auch private inseriert.
00:16:06: Oder man hört von Sammeln, ich wurde auch schon mal kontaktiert also dass das einfach Instrumerte angeboten werden.
00:16:14: Das kommt natürlich dann immer auf den gegenwärtigen Zustand an eben auch aus.
00:16:19: von wo stammt das Instrument?
00:16:20: Wurde das schon mehr restauriert?
00:16:22: Mein Instrumentenbauer meines Vertrauens im Berlin sagt dann immer ganz vorsichtig er muss aufpassen ob sein Instrument nicht verdorben würde.
00:16:29: Also wenn man quasi über restauriert hat, wenn viele Originalteile ausgetauscht wurden.
00:16:34: Also auf das muss man irgendwie alles achten.
00:16:37: Wenn Instrumente sehr schön und noch im Originalzustand sind und in eine Auktion kommen, hat man einfach keine Chance.
00:16:45: Das sage ich ganz offen.
00:16:47: Da gibt es immer irgendeinen Kunstsammler oder Instrumentensammler der das unbedingt haben möchte und dann hat man als Interpret-Künstlerspieler einfach überhaupt keine Chance.
00:17:00: Also das war ein großes Glück, dass mir das Atmonter Klavikort zu gefallen ist.
00:17:06: Das wird auch zu hören sein bei der Mozartwoche und du hast eine ganz besondere Verbindung zu dem Instrument.
00:17:16: Wo hast du es das erste Mal gesehen gehört?
00:17:20: Es ist so, es gehörte einem befreundeten Musiker-Epa aus Graz und die Dame des Hauses spielt sehr schön Klaviere aber hauptsächlich romantisch, klassisch.
00:17:33: Und die hatten das Klavikort wiederum von der Witwe eines Klagenfuhrter-Klavierbauers abgekauft und haben es restaurieren lassen sehr fachmännisch.
00:17:43: Sie hatte dann ein zweimal Unterricht bei mir genommen und kam aber nicht wirklich klar auf dem Instrument.
00:17:50: sie hat gemeint dass ist ihr irgendwie ja vom Stil her zu alt.
00:17:53: also es ist um seventeenhundert gebaut Geburtstag.
00:17:59: ein SMS geschrieben.
00:18:00: Ich habe im Dezember Geburtstag, nur damit man das jetzt zeitlich einordnen kann was gleich passiert und hat so kryptisch angedeutet ob ich mich nicht um das Instrument kümmern oder annehmen möchte.
00:18:12: Und dann hab' ich ein paar Nächte sehr sehr schlecht geschlafen und am Mozart Geburtstage also rund sechs Wochen später war's dann soweit.
00:18:21: Dann habe ich mein gesamtes Erspartes gegen das älteste Klavikort Österreichs getauscht.
00:18:28: Alle waren glücklich.
00:18:30: Für mich hat dann eine Reise begonnen, muss ich sagen.
00:18:33: Und wie kam es dazu, dass das jetzt Ursula heißt?
00:18:37: Das ist auch eine kuriose Geschichte.
00:18:39: ebenfalls erster Jahrgang, Nachtmusiken, Salzburger Festspiele... Ich glaube, es war im Resch schon lieblich dem Festspielbesucher natürlich ein bekanntes Lokal im Toscaninihof.
00:18:59: Und wir saßen und ich glaube, ein Kritiker hat gefragt wie ist das eigentlich?
00:19:04: Warum haben nur die Streichinstrumente beinahmen?
00:19:08: Dann habe ich überlegt und gesagt ja eigentlich ist es ungerecht man sollte alle Instrumente irgendwie benennen ihnen einen Namen geben.
00:19:16: in dem Fall müsste es was Altes sein so etwas wie Ursula.
00:19:21: und dann war's die Ursula.
00:19:23: also es war wirklich im Moment geboren Im wahrsten Sinne des Wortes und dann war es die Ursula.
00:19:28: Dieser Verspielabende, da kommen immer gute Sachen raus!
00:19:32: Aber wird Ursula auch als Ursula im Programmheft geführt?
00:19:35: Wie zum Beispiel bei diesen berühmten Stradivari-Geigen...
00:19:38: Ich mache das tatsächlich also ich führe es an als Atmonter glaube ich.
00:19:42: kurz so ist es in der ja in der Fachwelt ist es dafür bekannt weil es eben einen Innendeckel ein Gemälde hat vom Stiftatmond von der Kirche Frauenberg um das Gesäuse diens.
00:19:57: Man kennt das als sogenanntes Atm-Montaglaviquad.
00:20:00: Aber ich führe tatsächlich den Beinahmen Ursula an und werde es jetzt radikal durchsetzen, dass die Tastinstrumente auch einen Namen bekommen.
00:20:09: Oh da bin ich schon gespannt ob sich das durchsetzt.
00:20:11: und wieder zu anderen heißen!
00:20:15: Wann ging das eigentlich los mit deiner Liebe zum Klavichord?
00:20:19: Schon recht früh muss ich sagen... Ich habe noch ein Jahr Schüler in Linz, an damals noch Bruckner Konservatorium.
00:20:28: Klavier studiert also im Vorbereitungslehrgang.
00:20:31: Ich glaube ich habe meinen Professor damals ziemlich genervt weil ich nur Bach, Heiden, Beethoven, Mozart geübt hab.
00:20:37: und dann war ein Sommerkurs und da waren vier fünf Klavierprofessoren Und auch einer und der hat historische Tasteninstrumente unterrichtet August Rumer.
00:20:47: Dann war ich die ganze Woche eigentlich nur bei dem Habt-Schembalo Hammerklavier und Klavikort gespielt Und die beiden, also er und mein ehemaliger Klavierprofessor haben sich dann ausgetauscht und haben zu mir gesagt ob nicht ein Lehrerwechsel sinnvoll wäre um meiner Liebe der alten Musik gegenüber so entgegenzukommen.
00:21:08: Mit Fünfzehn, Sechzehn weiß man das ja gar nicht was man studieren kann, was es gibt, was ist eine Option?
00:21:13: Was ist das überhaupt?
00:21:15: Dann war ich bei dem schon mit... Ich glaube da war ich Sechzen auch im Vorbereitungslehrgang historische Tastennstramente Und da hat es begonnen.
00:21:23: Da haben wir natürlich sehr viel Chamberlohn, Hammerklavier gespielt aber auch Klavikort und ich hatte dann von meinem Philosophiljahrer aus der Schule ein Klavikkort geliehen.
00:21:34: Das hat er mir übrigens vor kurzem geschenkt.
00:21:37: Es war ein sehr emotionaler Moment weil das begleitet mich schon sehr lang und ja seitdem ist die Liebe zu diesen Instrumenten gewachsen.
00:21:46: Es hat mich immer schon sehr fasziniert.
00:21:50: Ja, wenn man jetzt auch so fasziniert ist von dem Klang.
00:21:53: Ist das was du sagen würdest dass auch jede und jeder lernen könnte oder braucht man da schon eine spezielle Ausbildung sowie Du sie auch genossen hast?
00:22:01: Oder kann auch jemand der jetzt für ein Haus gebraucht Klavier spielen kann wie ich sich dann mal ran setzen und probieren?
00:22:07: Ich empfehle es allen das zu probieren.
00:22:10: am Anfang ist natürlich die Frage ob man gleich klar kommt weil die Mechanik natürlich ganz anders ist.
00:22:16: aber einfach probieren Und es ist nicht umsonst, dass Haus-Tasten-Instrument Nummer eins gewesen.
00:22:24: Im siebzehnt und achtzehn Jahrhundert.
00:22:27: Du wirst das eben noch mal vorstellen.
00:22:29: bei der Mozartwoche, zwei tausend, siebenundzwanzig wirst du deine liebsten Geschichten erzählen?
00:22:34: So Ausblick was hast du noch vor mit dem Klavikort?
00:22:37: Du hast gesagt du magst zum Beispiel gerne Kombinationen mit anderen Instrumenten.
00:22:41: gibt's da noch irgendwas was dich reizt, was du mal ausprobieren möchtest?
00:22:46: Was ich... ausprobiert habe oder auch schon mehrmals im Konzert gewagt hab, was aber noch vertiefungswürdig wäre ist natürlich Kamermusik mit Glavichort.
00:22:59: Es gibt ganz, ganz fantastisches Repertoire-Grad für Violinen und Flöten und Glavickort in größerer Besetzung und es funktioniert sehr gut.
00:23:09: also das mit Gesang, Georg Niegel und ich verbindet uns.
00:23:13: Das ist ein Pfeiler ist auch sehr wichtig, wenn man an die Hausmusik denkt.
00:23:19: Stichwort Schubertiade Salon.
00:23:21: Aber das gemeinsame Musikieren und als Tastinstrument ein Klavikort verwenden ist ja so.
00:23:26: was treibt mich an?
00:23:28: da kommt auch bald noch mehr aber ich darf es noch nicht verraten.
00:23:33: Und was ich mir aus überlegt habe Ist das eigentlich etwas was aus unserem Kulturkreis kommt oder was europäisches?
00:23:40: Oder sind die klavikorte noch weiterverbreitet?
00:23:43: Es ist ein europäisches Phänomen Aber Glavicorde wurden auch verschifft.
00:23:51: Es gibt sehr berühmt das sogenannte Lima-Glavicord, also da ist in Peru ein Glavicord aufgetaucht.
00:24:02: Allerdings im achtzehnten Jahrhundert.
00:24:04: nur muss man sagen es ist ein Renaissanceinstrument.
00:24:07: Das heißt die Spanier haben damals einfach Instrumente mitgenommen.
00:24:12: Es waren aber nicht Instrumentenbauer vor Ort.
00:24:15: Damals sind in Lateinamerika sondern Zimmerleute und die haben immer wieder diese Instrumente bloß kopiert.
00:24:21: Das heißt, da ist man im sechzehnten Jahrhundert rüber und dann haben sie bis zweihundert Jahre später die Instrumentes so gebaut.
00:24:29: Ist ein interessantes Zeugnis von Renaissance-Instrumenten für uns weil es haben keine spanischen Instruments aus der Zeit überlebt aber quasi die Adaption davon in Lateinamerika.
00:24:41: Und heute wird so was noch nachgebaut.
00:24:44: oder sind es wirklich nur die alten Instrumente, die noch gespielt werden?
00:24:48: Nein.
00:24:48: Manche Instrumen sind leider auch nicht mehr spielbar aber sowas wird kopiert und auch manchmal sehr gut kopiert.
00:25:00: Ich bin immer wieder erstaunt wie das dann klingt.
00:25:02: Es sind überraschend andere Klänge als wir das gewohnt sind.
00:25:08: Sowas treibt mich auch an finde ich faszinierend!
00:25:11: Jetzt hast du uns aber ganz schön Lust gemacht, also ab ins Konzert oder deine Aufnahmen
00:25:15: hören.
00:25:16: Eine herzliche Einladung auch von meiner Seite!
00:25:19: Und vielen Dank für diesen spannenden Ausflug in die Welt dieses so unrechtfindig ungekannten Instruments, aber du wirst ja dafür sorgen dass es weiterhin immer berühmter wird.
00:25:28: Ich
00:25:28: sehe das als meine Aufgabe.
00:25:30: Herzlichen Dank auch für die Einladungen.
00:26:03: Wir sind Mozart der Podcast der internationalen Stiftung Mozartium.
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